The Walking Dead oder Der Tod der lebenden Toten

Es häufen sich die Artikel und Stimmen im Netz (und gar in meiner näheren Umgebung) das The Walking Dead an Reiz verloren habe. Die Quoten im Keller sind. Es sich nur noch um Menschen, statt um Zombies dreht. Und ja, irgendwie ist das alles richtig. Und irgendwie auch nicht. Warum, möchte ich versuchen in einem flotten Beitrag für Euch nieder zu schreiben. Wer spoilerfrei bleiben möchte, sollte sich jetzt rasch einen anderen Artikel von mir packen.

The Walking Dead Comics sind weiterhin erfolgreich

Das was derzeit so hart an der Serie kritisiert wird, scheint keinen Einfluss auf die direkte Arbeit von Robert Kirkman an den The Walking Dead Comics zu haben. Und das obwohl wir in diesen auch schmerzliche Verluste von Charakteren hinnehmen mussten. Teilweise zwar unterschiedlicher Natur, doch im Kern ziemlich ähnlich. Auch dort schreitet die Charaktertiefe voran und die ein oder andere Episode lässt uns vergessen, dass wir die Abenteuer von Rick und Co. in einer Zombieapokalypse verfolgen.

Warum also der „Erfolgsunterschied“, wo es doch augenscheinlich nur das Geschichten-Erzählende-Medium ist, welches sich unterscheidet? TV gegen Comic.

The Walking Dead Kombendium 3
The Walking Dead Kombendium 3

The Walking Dead hat als Comic begonnen und wurde franchise-mäßig in die Kapitalismuszange genommen. Mit Erfolg. Zwei Serien und eine lange Comicstoryline (mit einer seperaten Negan Geschichte) ist inzwischen auf dem Markt. Die eine Serie inmitten der achten (!!!) Staffel, die andere (Fear of the Walking Dead) demnächst beginnend in der vierten (!!!). Und dann auch noch mit einem Austausch von min. einem gemeinsamen Charakter. Respekt.

Aber die Quoten von The Walking Dead sinken. Folge für Folge. Vor allem nach dem Heldentod von Glenn und Abraham durch Negan (Staffel 7 | Episode 1) . Selbst Fear the Walking Dead scheint nach der schwachen zweiten Staffel an Fanzuwachs zu gewinnen. Und Staffel drei rockte tatsächlich enorm.

Doch zurück zur Mutterserie:  Schon vor dem Tod von Abraham und Glenn sanken die Quoten immer wieder ganz leicht ab – wobei der Cliffhanger der Staffel 6 für DIE Diskussionen sorgte. Eine bessere Werbung gab es nicht. Demnach konnte es ja eigentlich nur noch weiter nach oben gehen. Also, was ist geschehen?

Was macht die Serie The Walking Dead aus?

Um die Zuschauerabwanderung zu verstehen, müssen wir erstmal eruieren, warum die The Walking Dead Fans eigentlich Fans sind.

Es ging immer ums Überleben. Tut es auch jetzt noch.
Es ging immer auch um die explizite Darstellung von Gewalt. Japp. Auch das ist richtig. Wie bei einem Autounfall fiel es schwer wegzuschauen. Gewalt gegen Zombies erscheint moralisch gesehen nicht wirklich verwerflich. Menschen sind es ja keine mehr.

Ach ja, … und dann ging es ja auch immer noch um die sich stets veränderten Charaktere. Sie wuchsen an ihren Aufgaben. Oder schwächelten wegen ihnen. Mal fanden Charaktere den Tod, mal verloren sie Gliedmaßen und manchmal wurden sie zu Überlebenskünstlern.

Dont open, Dead inside
Die German Comic Con macht auf The Walking Dead

Nehmen wir doch alleine Carol. Vom Mann geprügelte Mutter. Ängstlich. Schutz suchend. Inzwischen eine eiskalte Killerin, welche alles tut um ihre neue Familie und sich zu schützen. Dazu ist sie zu allem bereit. Moral ist ihr ein Fremdwort geworden („Schau auf die Blumen.“) und die Gruppe kann nicht mehr auf sie verzichten. Erst der Klotz am Bein, ist sie wohlmöglich DIE Assassine in der TV Serie geworden und hat diesbezüglich die verliebte Michonne überholt.

Was hat die Serie The Walking Dead verloren?

Inzwischen sind wir an einen Punkt geraten an welchen all diese angesprochenen Sachen bei The Walking Dead ins Stocken kommen. Staffel acht (und im Grunde fing das Ganze ja schon in Staffel 6 grob an) erzählt uns keine Geschichte mehr von Ricks Gruppe gegen die Zombies!

Es geht um Rick und Negan. Punkt. Ein Krieg zwischen zwei Gruppen inmitten der Zombiapokalypse. Nicht: Ein Überlebenskampf innerhalb der Zombieapokalypse mit Ausseinandersetzungen zwischen Rick und Negan. Wir erinnern uns an den Governeur. Definitiv ein harter Brocken, doch lag immer die Gefahr der Zombies in der Luft. Der Weg zwischen dem Gefängnis und Woodbury war hart. Es gab kranke Arenakämpfe mit Zombies. Sogar die kleine Tochter im Wandschrank schien bedrohlich. Und jetzt sind Zombies irgendwie nur noch „Werkzeuge“. Das hat die TV Serie verändert. Der Schwerpunkt ist ein anderer. Da kann ein Jeffrey Dean Morgan noch so charismatisch sein und den perfekten Negan verkörpern.

machRADAU ist der Governeur
machRADAU als Governeur auf der German Comic Con

Das Überleben ist im Grunde einfacher geworden. Es gibt drei Gesellschaften, welche gut miteinander können. Man kann sich versorgen. Jeder ist am handeln. Alle kommen eigentlich ganz gut über die Runden. Abgeschottet von den bösen Beissern lebt es sich gut und hat offenbar einen unbegrenzten Vorrat an Benzin und Munition.

War es nicht auch dieser Punkt, welcher die Wanderungen um Ricks Gruppe so spannend machte? Wo ist das nächste Futter? Finden wir genug Waffen? Verdammt, wir müssen weiterhin zu Fuß gehen, weil wir keine Karre finden!

Was ist nur mit den The Walking Dead Charakteren los?

Inzwischen fährt man REGELMÄSSIG und schwer bewaffnet (von der Pistole, über das Sturmgewehr, bis hin zum Granatwerfer) zwischen vier Orten in The Walking Dead hin und her. Alexandria, Hiltop, Königreich und Sanctuary. Jeder Tankwart würde sich freuen dort am Highway zu stehen, um die schnelle Kohle zu machen.

Ich klammere hier Oceanside und die Scavengers bewusst aus. Beide Gruppen wären damals in der Serie, aufgrund ihrer Verrate bzw. Tötungsdelikte, von Ricks Gruppe einfach niedergemäht worden. Hier hat man sich einen Bock geschossen. Die Gruppe verhält sich nicht mehr wie sie war. Sie wirkt nicht nur physisch auseinander gerissen, sondern handelt auch so.

Das führt uns zum nächsten Punkt: Bei dem ganzen Krieg zwischen Rick und Negan hat man irgendwie vergessen die einzelnen Charaktere zu entwickeln. Beziehungsweise authentisch zu entwickeln.

Zombies im Zelt
Die Zombieapokalypse auf deutschen Zeltplätzen ist real

Die größten Veränderungen machen hier sicherlich Maggy, Dwight, Eugene und Morgan aus. Letzterer tötet jetzt und ringt innerlich so hart damit. Ein ewiges auf und ab. Das gefällt mir sehr. Doch Maggy? Sie macht auf schwanger-harte Leaderin. Das nehme ich ihr nicht ab. Das fühlt sich nicht richtig an. Sie verlor ihren Glenn. Erwartet gar ein Kind von ihm. Müsste hormonell nur so durcheinandergewürfelt sein. Aber sie kommt zu cool rüber. Zu abgebrüht. Das passt nicht. Dwight ist eine pure Überraschung für mich. Im positiven Sinne. Da ist noch so viel Potential drinne, dass ich auch einfach aus diesem Grund nicht abschalten mag. Auch in Bezug auf Daryl. Und was den guten Eugene angeht. Toller Schauspieler. Starke Entwicklung. Ich bin auf seinen Tod gespannt – insofern es einen geben mag. Aber was ist mit den anderen?

Man hat lieber sehr viele neue Charaktere eingeführt, statt die bestehende Gruppe interessant zu halten. Man hat zwei Lieblingsfiguren zu Beginn der Staffel mit einem großen Knall genommen und versucht dieses Loch zu stopfen. Aber eben nicht erfolgreich.

Was in The Walking Dead Comics passt, wird nicht passend gemacht

Und nochmal: Die The Walking Dead Comics haben von den Makeln der Serie keinen Schaden genommen. Das hat verschiedene Gründe.

Zum Einen sind die Comics nicht gemacht für ein Mainstream Publikum. Die Zielgruppe ist seit Tag eins gleich geblieben.  Wenn auch dezent breiter geworden, weil sich Comics weltweit zu einem etablierten Medium transformieren und keine pure Erscheinung der USA bleiben (vereinfacht gesagt). Dennoch: Die Zielgruppe von Comics ist viel kleiner als das bei Serien der Fall ist. Dazu auch noch ein Nerd-Publikum, welches zwar sehr kritisch ist – aber erstmal im Fandom ausharrt, bis es gar nicht mehr geht. Treue Weggefährten diese Nerds.

Die Leser haben nicht die selben Erwartungen wie Frau und Herr Müller von der Hauptstraße in Remagen. Spannungsbögen sind drastischer und schneller. Zudem obliegt es dem Leser selbst wie viel Zeit er mit seinen Helden verbringen möchte. Mal liest er langsamer, mal etwas flotter. Hin und wieder wird zurück geblättert. Das Leseerlebnis ist ein anderes, als das Berieseln lassen vorm heimischen TV.

Ist sie wirklich tod?
Ist sie wirklich tod?

Zudem hat man in den Comics nie die Umwelt der Zombieapokalypse vergessen. Zombies sind stets eine Gefahr. Immer ein Problem. In der Serie ist das sehr schwierig umzusetzen, da man an zeitliche Vorgaben pro Folge stößt. Ein gut gemachter The Walking Dead Kampf mit den Beissern braucht nunmal seine drei bis fünf Minuten. Das sind satte 11% der gesamten Folge! Und dazu kommt auch noch, dass man das Gefühl hat jetzt alles gesehen zu haben.

The Walking Dead ist im TV an einem Punkt angelangt, an dem Menschen wieder das größte Problem darstellen und dazu muss man keine Zombieapokalypsen-Serie einschalten. Da reicht eine normale Action Serie ja auch schon für aus. Wie soll man aus diesem Schlamassel also raus kommen?

Über was meckern alle bei The Walking Dead denn so?

The Walking Dead galt lange im TV Serientum als die erfolgreichste Serie der Welt. Bisher. Game of Thrones scheint inzwischen die Nase leicht vorn zu haben – je nachdem, welcher Berichterstattung man glauben mag. Das ist eine enorme Leistung, wenn man sich doch nur mal vorstellt, dass es hier um plumpe Zombies geht bzw. gehen sollte.

Zudem wird man das Gefühl nicht los, dass man auf sehr hohem Niveau meckert. Noch immer gilt The Walking Dead in den USA als der Primus im Abendprogramm. Die Serie ist, im Vergleich zu parallel ausgestrahlten TV Inhalten, nach wie vor die meistgesehene Serie der relevanten Zielgruppe. Immer noch schalten zwischen neun und 14 Millionen Menschen ein, um eine einzige Folge The Walking Dead zu sehen. Zudem darf man nicht vergessen, dass sich das Verhalten der Zuschauer verändert hat. Man schaltet nicht mehr zwangsläufig zur Erstaustrahlung ein. Dank Netflix, Amazon Prime, Sky etc. sucht man sich die Zeit eben aus, an welcher man seine Lieblingsserie schauen mag. Eine Quotenmessung ist da natürlich schwierig.

Aquariumköpfe
Aquariumköpfe im Wohnzimmer des Governeurs

Und wollen wir ehrlich sein: Die Macher der TV Serie haben auf die Kritik endlich reagiert und die Beisser wieder mehr in den Vordergrund gebracht. Das zeigen die letzten Folgen deutlich. Es gibt seit langem mal wieder einen Toten der Hauptgruppe, welcher auf das Konto der Walker geht – und eben nicht auf Negan oder dessen Handlanger. Zudem ist er ein Hauptcharakter, welcher als unantastbar galt. Das ist einerseits traurig (auch weil in den Comics noch so viel von Carl zu sehen ist), doch andererseits bitter notwendig. Der Schauspieler Chandler Riggs wird älter und der Bartschatten ist nicht mehr zu verbergen. Schwierig einen 18jährigen weiterhin als 15 oder jünger zu verkaufen. Zudem braucht es für die Entwicklung von Rick einen Meilenstein. Und der ist nun vorhanden.

Schaltest du The Walking Dead jetzt aus oder wieder ein?

Ich habe nie aufgehört mit dem Einschalten. Und noch immer philosophiere ich mit Freunden über die neusten Folgen. Das macht mir immer noch sehr viel Spaß. Und ich mag auf The Walking Dead nicht verzichten.

Gerade die letzten Folgen zeigten mir mehr als nur Hoffnung für einen Qualitätsanstieg von The Walking Dead. Dazu noch die Interviews, welche man lesen durfte. Der Krieg mit Negan geht offenbar zu Ende. Norman Reedus aka Daryl Dixon hat das ganz deutlich gemacht. Dazu die wieder in den Fokus geratenen Beisser und die Gefahr, welche durch sie ausgeht, lässt mich jubeln. Dazu kommt das ein sterbender Carl seinem Vater mitteilt, dass er möchte, dass er sich mit Negan „verträgt“. Und gerade dieser Charakter scheint dann auch noch tatsächlich über den Tod von Carl betrübt zu sein. Sogar so sehr, dass man geradezu ein Knistern spürt:  Die Saviors und Ricks Gruppe haben einen gemeinsamen Feind. Beisser. Und die müssten ja eigentlich bekämpft werden.

Negan vs machRADAU
links: Notorious Negan; rechts: machRADAU

Ihr seht also, dass es noch eine Menge Material gibt und das die Sache gar nicht so schlimm ist, wie sie derzeit aussieht. Ich glaube, es wird auf hohem Niveau gemeckert und es ist vielleicht eine leichte Zombieübersättigung im TV vorzufinden. Trotzdem ist The Walking Dead für mich DIE Serie, um den Mythos der Untoten.

Schaut Ihr The Walking Dead und teilt meine Meinung? Oder habt Ihr eventuell sogar schon aufgehört zu schauen? Welche Staffeln haben Euch begeistert und welchen Tod könnt Ihr den Machern der Serie nicht verzeihen? Schreibt in die Kommentare oder tippt mir flott etwas auf Instagram.

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